Inhaltsverzeichnis

 

 

 

1 Organisatorisches

1.1        Ort

1.2        Personalausstattung

1.3        Öffnungs- und Betreuungszeiten

1.4        Unterkunft

1.5        Sicherheit und Hygiene

1.6        Kleidung/Ausstattung der Kinder

1.7        Tagesablauf

1.8       Vorschularbeit

1.9       Mittagessen

 

 

2 Regeln für die WaldKiTa

2.1        Allgemeine Regeln für den Wald

2.2        Regeln zum Umgang mit Tieren und Pflanzen

 

 

3 Das Pädagogische Konzept

3.1        Der Jahreszeiten-Rhythmus

3.2        Entwicklung der Bewegungs-Kompetenzen

3.3        Unsere ganzheitliche Erziehung

3.4        Kreativität und Phantasie

3.5        Die Entwicklung der Sinne, verweilen in der Stille

3.6        Soziales Verhalten, Leben in der Gruppe

3.7        Selbstvertrauen

3.8        Die Bildungsbereiche

3.9        Dokumentation/ Beobachtung der Kinder

3.10    Und wenn sie zur Schule kommen...

3.11    Unsere Vorschul-Arbeit

3.12    Gesundheit

 

4 Elternarbeit

 

5 Achtung vor dem Leben, Liebe zur Natur

 

6 Qualitätsmanagement

 

 

 

Konzept des Waldkindergarten Wurzelwichte

 

 

1 ORGANISATORISCHES

 

 

1.1 Ort

Das Stammgebiet ist auf dem so genannten „Rodelberg“ in Hamburg - Volksdorf nahe der Straße Moorredder. Es liegt hinter der örtlichen BMX – Bahn, neben dem Naturschwimmbad Volksdorf.

 

1.2 Personalausstattung und Gruppengröße

Die Mindestausstattung der Gruppe sind zwei examinierte ErzieherInnen. Die Beschäftigung einer Sozialpädagogischen Assistentin / Kinderpflegerin wird erwägt. Die Beschäftigung von Praktikanten ist erwünscht und wird angestrebt.

Es werden zwischen 15 und maximal 23 Kinder ab drei Jahren aufgenommen.

 

1.3 Öffnungs- und Betreuungszeiten

Der Waldkindergarten ist von Montags bis Freitags von 8 Uhr bis 15 Uhr geöffnet.

Frühstück wird gemeinsam im Wald eingenommen. Unsere Mittagskinder werden in oder an der Sturmunterkunft essen.

 

1.4 Unterkunft

Unsere  Unterkunft ist ein Baucontainer auf dem Parkplatz der nahe gelegenen BMX – Bahn. Dort finden wir Unterschlupf bei stürmischem Wetter und extremer Kälte.

Neben dem Container ist eine Toilettenkabine aufgestellt. Diese wird wöchentlich vom Hersteller entleert und gereinigt, daneben täglich durch uns in sauberen Zustand gehalten.

 

 

1.5 Sicherheit und Hygiene

Im Wald wird ständig eine erweiterte Erste-Hilfe-Ausrüstung mitgeführt. Alle Mitarbeiter des Waldkindergartens müssen jährlich einen Wiederholungskurs in Erster Hilfe am Kind absolvieren. Zudem ist der Gruppenleiter Rettungsassistent mit langjähriger Berufserfahrung sowie Erste-Hilfe-Ausbilder. Ständige Erreichbarkeit ist durch ein Mobiltelefon gewährleistet.

Vor jedem Essen und nach jedem Toilettengang werden konsequent die Hände gereinigt.

 

1.6 Kleidung/Ausstattung der Kinder

Wetterfeste Kleidung, die geeignet ist, eine Unterkühlung zu verhindern, ist unerlässlich. Jedes Kind muss einen Rucksack mitführen, der folgendes enthält:

 

  • Ein Stück Isomatte als Sitzunterlage,
  • Getränk in bruchsicherer Flasche,
  • Frühstück im wieder verwendbaren Behälter.

 

Im der Nähe sind Wechselklamotten für jedes Kind gelagert, zwei Universalsätze werden im Waldrucksack mitgeführt.

 

1.7 Tagesablauf

Die Eltern bringen die Kinder morgens zwischen 7:30 und 9 Uhr zu unserer Sturmunterkunft im Moorredder. Feste Rituale strukturieren den Vormittag und geben den Kindern Sicherheit und Orientierung. Der Morgenkreis bietet Gelegenheit zu einem gemeinsamen Kreisspiel oder einer Einstimmung auf ein bestimmtes Thema. Danach wandert die Gruppe zu einem vereinbarten Ziel, wo sich die Kinder die Hände reinigen und gemeinsam frühstücken. Unter Aufsicht und Anleitung durch die ErzieherInnen können die Kinder nun, wie auch auf dem Hin- und Rückweg, spielen und die nähere Umgebung erforschen. Dabei stehen das spielerische Kennenlernen der Natur, Singen, Märchenerzählen, Laubhütten bauen, Klettern, Spiele zum Austoben und ähnliches im Vordergrund.

Auch die Vorschularbeit wird, je nach Wetterlage, im Freien durchgeführt. Nach dem Abschlusskreis führt der Rückweg zur Sturmunterkunft zurück. Dort werden die Kinder, die bei uns nicht essen, abgeholt.

Danach richten sich die Aktivitäten nach dem Bedarf der Kinder. Je nach Wetter, Wunsch der Kinder, bisherigem Tagesablauf etc. wird entschieden, wie der Rest des Tages verbracht wird.

 

1.8 Vorschularbeit

Kinder mit anderem muttersprachlichen Hintergrund werden behutsam unterstützt, Deutsch als Zweitsprache zu erlernen, so dass auch sie im Einschulalter in einer deutschsprachigen Grundschule mithalten können. -

 

Dicht orientiert an den ‚Hamburger Bildungsempfehlungen’ betreiben wir auf der ‚Vorschulinsel’ die regelmäßig unsere Vorschularbeit für die großen Kinder, die 5-6-Jährigen. Hier wird naturwissenschaftlich geforscht, experimentiert, Beobachtungen der Phänomene um uns herum gesammelt und besprochen. Hier werden die Eindrücke unserer (Bildungs-)Ausflüge in den Hamburger Hafen oder das Gewürzmuseum oder den Tierpark besprochen und ‚erörtert’. Die „WaldKITA“-Kinder bewegen sich den Großteil des Tages unter freiem Himmel in der Natur – aber ihre Neugier, Wachheit und ihr Wissendurst ist darum nicht kleiner – im Gegenteil!

 

1.9 Mittagessen

Das Mittagessen wird von der Firma Wackelpeter geliefert. Bei Ankunft wird die Temperatur vor Ausgabe kontrolliert und dokumentiert. Die Kinder unterstützen uns hierbei.

 

 

2 REGELN FÜR DIE WALDKITA

 

 

2.1 Allgemeine Regeln für den Wald

  • Die Kinder antworten, wenn sie gerufen werden.
  • Möchte das Kind die Grenzen des Waldplatzes überschreiten, so spricht es vorher mit den Erziehern.
  • An bestimmten Haltepunkten wartet jedes Kind, bis alle diesen Ort erreicht haben.
  • Im Winter sprechen die Kinder vor dem Ablegen eines Kleidungsstückes mit dem Erzieher.
  • Niemand rennt mit Stöcken herum.
  • Nur am Toilettenplatz wird das „Geschäft“ verrichtet.
  • Geschnitzt und gesägt wird unter Aufsicht oder wenn der Erzieher die Erlaubnis dazu gegeben hat.
  • Wasser aus stehenden und fließenden Gewässern wird nicht getrunken.
  • Das Essgeschirr wird nicht zum Wasser holen benutzt.
  • Wir lassen keinen Müll im Wald zurück.
  • Müll, den wir finden, entfernen wir gemeinsam aus dem Wald.
  • Auf feuchten Baumstämmen balancieren wir nicht (Rutschgefahr)
  • Wir klettern nicht auf Holzpolder.
  • Mit Stöcken und Steinen wird vorsichtig umgegangen.
  • Tierkadaver und -kot dürfen nicht angefasst werden.
  • Es wird nicht mit Joggern, Spaziergängern u. a. Mitgegangen oder mit gelaufen.
  • Es wird nicht ohne Erlaubnis in Fließgewässer oder stehende Gewässer gestiegen.

 

 

 

 

 

2.2 Regeln zum Umgang mit Tieren und Pflanzen

Jedes Tier hat- wie wir Menschen – sein ihm vertrautes Lebensumfeld. Hier kennt es lebensrettende Schlupfwinkel, Nahrungsquellen, Gefahrenquellen, Orientierungspunkte. Für den Umgang mit Tieren gelten deshalb folgende Regeln:

  • Tiere möglichst in ihrem Lebensumfeld belassen.
  • Ein waches Auge für Tierbauten haben (Ameisenhaufen, Vogelnester, Fuchshöhlen, Mauselöcher, etc.) und sie unverändert stehen lassen!
  • Umgedrehte Steine wieder an ihren Platz zurücklegen.
  • Zur Beobachtung aufgehobene Tiere möglichst bald wieder am Aufnahmeort freilassen.
  • Tiere in ihrem gewohnten Element belassen.
  • Beim Aufnehmen von Tieren besonders vorsichtig sein (viele Tiere werden durch unsachgemäße Berührungen verletzt); sehr kleine Tiere werden nicht mit der Hand aufgenommen, sondern mit einem geeigneten Hilfsmittel (z.B. feiner Haarpinsel) und an den Fundort zurückgebracht.
  • Tiere, die in Gläsern gehalten werden, nicht der Sonne aussetzen.
  • Bevor Baumstrünke bearbeitet werden, eventuell „anklopfen“. Die dort lebenden Tiere gewinnen somit Zeit für den Rückzug. (Mögliche Bewohner sind z. B. Asseln, Spinnen, Käfer, Ameisen, Ohrwürmer; vor allem in den Wintermonaten.)
  • So genannte „Insektensauger“ werden nicht verwendet; sie katapultieren das „Opfer“ sehr grob in den entsprechenden Beobachtungsbehälter.
  • Fremde Hunde nur streicheln, wenn der Besitzer dies erlaubt und dabei ist.
  • Brutplätze und Tierbauten werden geschont/gemieden.
  • Auf jagdliche Schongebiete wird Rücksicht genommen.

l  Der achtsame Umgang mit allem Lebendigen sollte ein gelebtes Grundprinzip für uns alle sein. Im Naturraum trägt der Erzieher die Verantwortung für die Umsetzung. Wichtig ist, dass die Kinder erfahren, warum ihnen ein bestimmtes Verhalten abverlangt wird.

 

 

 

 

3 DAS PÄDAGOGISCHE KONZEPT

 

 

In unserem Waldkindergarten unter freiem Himmel ohne Tür und Wände wollen wir die Kinder ganzheitlich fördern, d. h. für uns, dass Körper und Seele, alle  Fähigkeiten und Anlagen der Kinder Raum bekommen sollen.

Der Wald selber, seine Stille, seine friedlichen Atmosphäre hilft uns, den Kindern  eine natürliche Basis zu geben für die Entwicklung und Entfaltung ihrer Fähigkeiten.

 

 

Was wir vom Wald bekommen, was wir im Wald lernen, in welchen Bereichen wir die Kinder fördern

 

 

3.1 Der Jahreszeiten-Rhythmus

Ganz hautnah erfahren die Wurzelwichte den Rhythmus der Jahreszeiten, das Sprießen im Frühling, die Hitze im Sommer, das Goldgelb der Blätter im Herbst, das Regenwetter und schließlich den Schnee im Winter. 

Unsere Lieder, die Geschichten und Märchen, die wir erzählen, unsere Spiele, die Projekte und unsere großen Feste natürlich sind inhaltlich dem Jahreszeiten-Rhythmus angepasst.

 

 

3.2 Entwicklung der Bewegungs-Kompetenzen

Kinder lieben es, sich zu bewegen. Im Wald finden sie dazu außerdem vielfältige Bewegungsanreize: zum Klettern, Toben, Kriechen, Rutschen, Rollen, Rennen, Hüpfen und zum Balancieren. Hier können die Kinder in Eigeninitiative ihre Bewegungsfähigkeiten entdecken und auch unter Anleitung von uns ErzieherInnen wird ihre psychomotorische Entwicklung gefördert. Die natürliche, verschiedenartige Oberflächengestaltung des Waldbodens bietet dafür optimale Voraussetzungen mit seinen Hügeln, Gräben und den Baumstämmen zum Überklettern. Auf dem

Untergrund von Laub, Sand, Matsch, Moos, in Kuhlen und an Abhängen lernen die Kinder Balance zu halten und sich Abzufangen beim Fallen - und sollte dies doch passieren, würden sie dabei nur auf dem weichen, federnden Waldboden landen.

 

Die Entwicklung der Grobmotorik auf dem Waldboden, die Stärkung der Innenorgane (z. B. Herz und Lunge) an der frischen Luft und die Stärkung der Muskulatur beugt den heute sonst so häufig vorkommenden Haltungsschäden vor. Aus der Psychomotorik ist bekannt, dass die Entwicklung der Bewegungsvielfalt der Kinder auch eine der Voraussetzungen ist für ihre sprachliche Entwicklung und die darauf folgende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit.

Intensive Körpererfahrungen machen die Kinder mit ihrem eigenen Körper bekannt und vertraut.

 

 

3.3 Unsere ganzheitliche Erziehung

 

- Rhythmisch-musikalisch

In unserem Morgenkreis und unserem Abschlusskreis singen wir Lieder, Klatschen und Stampfen rhythmisch und tanzen neue und alte Kindertanz-Reigen aus Deutschland und anderen Kulturkreisen, wie Afrika oder Indianertänze aus Amerika. Dazu benutzen wir auch unsere Musikinstrumente, die die Kinder nach Herzenslust ausprobieren dürfen, aber auch unsere mitgebrachte Gitarre, auf der wir dann den Kindern vorspielen.

 

 

- Künstlerisch-ästhetisch:

Am Werkzeugtag holen wir die Sägen, Hammer, Nägel, Feilen und alle anderen Werkzeuge aus dem Waldwagen und breiten sie auf der Bodenplane aus. Dann arbeiten wir an einem Thema, z. B. den Schiffen, Flößen oder den Musikinstrumenten. Die Naturmaterialien haben wir zuvor im Wald gesucht und gesammelt. Nur in Ausnahmefällen oder wenn es wirklich nötig ist, kaufen wir auch Material dazu.

Wir arbeiten z.B. mit Papier und Pflanzenfarben, die wir sogar teilweise auch selbst machen. So lernen die Kinder ganz nebenbei, wie wertvoll das sorgsam hergestellte Material ist. Dazu bekommen die Kinder Kleister und Scheren und es entstehen Kunstwerke aus Farben und Federn, Kastanien und Eicheln, Blättern und Steinen.

 

- Märchen erzählen, sprachliche Entwicklung:

In dem Bereich der sprachlichen Entwicklung ist es uns wichtig, dass unsere Kindergarten-Kinder mit guten Kinderbüchern und Bilderbücher vertraut werden, denn wir glauben, dass in diesen ein Schatz verborgen ist, der viel tiefer in der kindlichen Phantasie und Vorstellungswelt weit erwirkt, als Fernsehen, Videos und CDs reichen können.

Deshalb bekommen die größeren Kinder von uns solche Bücher, wie z. B. „Ronja Räubertocher“ u. v. a. vorgelesen. Den jüngeren Kindern aber erzählen wir auch selber die Märchen oder die Texte der Bilderbücher. Denn das kindliche Ohr, sein Verständnis nimmt auf diese Weise Erzähltes ganz anders auf als es über technische Reproduktionen möglich wäre.

Die „Wurzelwichte“-Kinder bekommen heimische Märchen und Geschichten aus aller Welt erzählt. Der Wald als „Urbild der Seele“ und sein Aufenthalt in ihm als „Reifezeit der Seele“ kommt als Bild in fast allen Märchen vor – den Kindern wird dies natürlich nicht bewusst, aber im Unbewussten fällt es ihnen vielleicht sogar leichter als manchem Erwachsenen, das Thema der Märchen intuitiv aufzunehmen und zu verstehen.

 

So dient unsere Arbeit mit den Geschichten nicht nur der Erschließung und Erweiterung der Muttersprache, sondern auch der Weiterentwicklung der kindlichen Seelen-Reife.  Aber natürlich sprechen und erzählen die Kinder in unseren Bücher-

Stunden auch selbst viel und werden von uns dazu angeregt und ermuntert.

Und da wir uns ja direkt im Wald befinden, wird ganz schnell das eben Gehörte in ein eigenes Spiel umgesetzt und nach gespielt.

 

Für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, bieten wir kleine Runden an, in der wir spielerisch und auch mit Bewegung ihre  Sprachentwicklung besonders fördern.

 

 

3.4 Kreativität und Phantasie

In allen drei Bereichen – dem musischen, dem künstlerischen und dem sprachlichen Bereich steht bei uns das Kind mit seinen schon mitgebrachten Anlagen und Fähigkeiten, die es noch entfalten möchte im Mittelpunkt. Wir orientieren uns bei unserer Arbeit mit den Kindern an der jeweiligen Situation, an dem, was wir bei den Kindern an Interessen beobachten und an dem, was sie neugierig macht oder machen könnte. Wir wecken ihre natürliche Neugierde, Kreativität und Phantasie -  und kommen dabei ohne vorgefertigtes Spielzeug, oder gar Mal-Schablonen und Bastelbögen aus. Der Wald schenkt uns reichlich von allem, was die Kinder benötigen; er regt sie zu immer neuen Ideen und Veränderungen an und bietet genügend viel Platz für ihre Umsetzung: Die Phantasie der Kinder und ihre Hände machen aus einem Haufen Stöcken z. B. ein Haus, dann ein Schiff und schließlich einen Garten.

 

Beim Umgang mit den Werkzeugen, auch den Scheren bieten wir den Kindern eine liebevolle Anleitung an, damit sie die Funktion und das Benutzen der Werkzeuge verstehen und erlernen und dabei ihre Feinmotorik schulen.

Sie lernen verschiedenste natürliche Materialien kennen und wir zeigen den Kindern Methoden und machen ihnen auch vor, wie man das Material verwenden könnte,  und geben Anregungen, was sich z. B. daraus herstellen ließe, ohne dabei zu sehr einengend auf ihre Kreativität zu wirken.

 

 

3.5 Die Entwicklung der Sinne, verweilen in der Stille

Die Kinder heutzutage wachsen meistens in einem technisierten und von den Medien geprägten häuslichen Umfeld auf. In fast jedem Haushalt gibt es einen Computer und Fernsehen. Der Alltag ihrer Eltern ist von Zeitdruck bestimmt, den sie per Auto auf dem Weg von Termin zu Termin bewältigen. Auch die Kinder müssen dies häufig mitmachen.

 

Im Wald dagegen herrscht Stille.

Herrscht wirklich Stille?

Nein, wenn wir mit unseren Kindergarten-Kindern lauschen, wenn sich unsere Wahrnehmung sensibilisiert, wenn wir unseren so oft benutzten und überreizten visuellen Sinn ausschalten – also alle die Augen schließen – dann hören wir plötzlich die Laute des Waldes: Verschiedene Vogelstimmen oder knirschenden Schnee, Rascheln der Blätter am Boden oder das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln...

Die Stille im Wald, die ja eigentlich keine ist, verhilft den Kindern zu ihrer inneren Ruhe und Kraft und damit Stabilität zu finden. Sie verhilft ihnen auch zu

Konzentrationsfähigkeit und lässt sie das wieder finden, was kleine Kinder natürlicher Weise sehr gut können: Im Augenblick, in der Gegenwart, im Moment verweilen - ohne in die Zukunft gerichtete Ziele voll im augenblicklichen Spiel gänzlich aufzugehen. Dies ist ein Zustand, der auch „Fließen“ genannt wird und der höchste und gesunde Konzentration beinhaltet und Zufriedenheit verschafft.

 

Die „Stille“ ist zunächst ungewohnt, aber mit der Zeit führen die meist leisen Naturgeräusche im Wald zu einer Sensibilisierung der Wahrnehmung, die sich nicht allein auf den akustischen Sinn, also das Hören beschränkt.

Alle fünf Sinne (Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen), die beim Kindergarten-Kind ja auch noch in der Entwicklung sind, können sich entfalten, der Wald bietet dafür die nötige Ruhe und auch Anreize (den jahreszeitlich wechselnden Geruch, den Geschmack der Walderdbeere, das Ertasten der Baumrinden …).

 

 

3.6 Soziales Verhalten, Leben in der Gruppe

Mehr noch als in einem „Regelkindergarten“ erfahren unsere Kinder draußen im Wald, wie wichtig es ist, sich innerhalb einer Gruppe aufeinander verlassen zu können. Sie lernen in der Natur, wie ein Lebewesen vom anderen abhängig ist, und letztlich alles Leben miteinander verwoben und verbunden ist.

 

Dass Regeln und Abmachungen eingehalten werden müssen, ist für unsere Kinder leicht selber nachzuvollziehen und sie wachsen sehr schnell in eine Selbständigkeit

und Mit-Verantwortung für die ganze Gruppe hinein und entwickeln Fürsorge und Hilfsbereitschaft gegenüber den schwächeren und jüngeren Kinder. In der Gruppe erfahren unsere Wurzelwichte die Geborgenheit und Zugehörigkeit auch durch die Rituale in der Gestaltung unserer Morgen- und Abschlusskreise.

Beim miteinander Spielen entsteht Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit; und die ruhige Atmosphäre und das Gefühl der räumlichen Weite und des sich Ausweichen können um uns herum mindert schon von selber Aggressionsverhalten.

Natürlich haben auch Streiterei, Wut und Auseinandersetzung ihren Raum, so dass die Kinder lernen, Konflikte auszutragen und friedliche Lösungen zu finden.

Auf Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität und Unruhe hat diese Weite häufig eine beruhigende Wirkung und oftmals stauen sich Stress und Aggressionen gar nicht erst im Körper an, sondern lassen sich schnell in Bewegung und kreatives Tun umsetzen.

 

 

3.7 Selbstvertrauen

Die Kinder lernen im Wald, Gefahren einzuschätzen und zunehmend selbständig miteinander Hindernisse zu überwinden. Dadurch entsteht in ihnen ein gesundes „Ich-Gefühl“, ein gesundes Gruppengefühl und ein Selbstvertrauen, das sich auf tatsächlich gewonnene Fähigkeit und Geschicklichkeit stützt.

Bei Wind und Wetter, Regen und Kälte draußen zu sein erfordert auch manchmal Durchhaltevermögen, auch wenn es den Kindern meistens große Freude bereitet.

Anders als die meisten ihrer Altersgenossen haben die Waldkindergarten-Kinder die Möglichkeit für viel längere Zeit, mindestens ihren halben Tag lang – jeden Tag - in der Natur zu sein. Dies unmittelbare Erleben von Naturgegebenheiten in der Kindheit– statt beispielsweise ständiger „Berieselung“ durch das Fernsehen mit seinen „Erlebnissen aus zweiter Hand“ - kann auf die Kinder auch schützend wirken:

Ihnen helfen,  auch später als Jugendlicher und Erwachsener auf „künstliche Erlebnisse“, z. B. durch Drogen zu verzichten.

 

 

 

3.8 Die Bildungsbereiche

 

-Mathematische Grunderfahrungen

Viele Kinder haben im Laufe ihres Schülerlebens Probleme mit der Mathematik. Wir bemühen uns, unsere Wurzelwichte die Grundlagen der Mathematik so spielerisch und natürlich wie möglich erfahren zu lassen – und dies ist ganz leicht im Wald. Die Formen, Größen und Gewichte der Steine, Pflanzen und Tiere in der Natur werden erkundet und über ihre  Beobachtung gelangen wir zu mathematischen Grunderfahrungen: dem Zählen, Messen und Vergleichen – welches die Voraussetzungen für spätere mathematische Operationen wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division bilden.

Bei der Betrachtung eines einzelnen Blattes z. B. fällt schon auf, dass die gesamte Natur in geordneten Strukturen aufgebaut ist.

Auf ganz natürliche Weise erfahren sich die Wurzelwichte in einer strukturierten, geordneten Welt, die NICHT von Menschenhand gemacht ist – aber durch menschliches Denken in geordnete Begrifflichkeit gefasst wird.

Mathematik wird für die Waldkita-Kinder von Anfang an also nicht zu einer „von der eigenen Person und Umgebung abgetrennte Angelegenheit“, die dann später aus diesem Grunde so abgelehnt wird – sondern als selbstverständliches Aufbauprinzip der sie umgebenen Welt erlebt, welches von einem drei-, vierjährigen Kind natürlich nur unbewusst erkannt wird, aber bei einem sechsjährigen Vorschulkind schon immer deutlicher ins Bewusstsein tritt. Der Schritt von der konkreten Anschauung zum abstrakten Begriff ist dann nur noch ein kleiner.

 

-Naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen

Aufbauend auf der normalen Neugierde jedes Kindes und seinem Wissensdrang, seinen Fragen nach dem „Warum“ – beschäftigen wir uns im Wald als erstes mit den uns umgebenen Elementen Erde, Luft, Wasser und – Feuer (das wir an manchen Tagen zum Essen kochen selbst entzünden) und der Erkundung dieser vier Grundelemente unseres Planetens.

Die Interessen und Erforschungen der Kinder im Waldgelände sind die Anhaltspunkte für unseren ‚naturwissenschaftlichen Bereich’ der Kita, den wir dann durch spezielle Projekte erweitern. – Ein bei der Wanderung gesehener Ameisenhaufen mit seinen vielen kleinen Ameisenstraßen kann, ebenso wie die verpuppte Raupe, die am Busch hängt –  zum Anlass eines Kinder-Forschungs-Projekts werden – oder aber auch schon beim Stöbern in der mitgeführten Tasche mit den Wald-Büchern geklärt werden.

Die Kinder bekommen geeignete Untersuchungs-Geräte wie z. B. Lupen zur Verfügung gestellt, so dass ihre Neugierde Befriedigung erfährt.

 

-Kulturell-gesellschaftliche Einbettung in die Umwelt (Projekte und Ausflüge)

So vielfältig und anregungsreich unsere Waldkita-Umgebung auch ist: auf zahlreichen Ausflügen erkunden wir mit den Kindern auch die weitere Umgebung. Wir machen uns (umgekehrt im Vergleich zu den ‚Hauskindergärten’) auf den Weg aus der Natur in die ‚Kultur’: Wir besuchen die Bücherhalle oder den Zoo, den Guthof in der Umgebung oder bestaunen auf einem weiten Ausflug die großen Schiffen im Hamburger Hafen.

Besteht besonders Interesse - und kommen Kinder zu uns mit verschiedenen religiösen Hintergründen - sind Besuche in Kirche, Moschee oder Synagoge denkbar, denn jedes Kind, jede Familie soll sich in ihrer Eigenart, in ihrer Individualität angenommen und zuhause fühlen.

 

 

3.8 Dokumentation/ Beobachtung der Kinder

Jedes Kind wird in regelmäßigen Abständen nach dem Modell der „Entwicklungstabelle“ der Professoren Beller und Beller eingeschätzt.

Diese Berichte enthalten Einschätzungen zur körperlich/motorischen Entwicklung, zu den kognitiven, sozialen Kompetenzen des Kindes, zu seinem sprachlichen Entwicklungsstand (siehe Logopädische Beurteilung) sowie seiner Kreativitätsentfaltung.

 

 

-Logopädische Beurteilung

Unsere Wurzelwichte werden regelmäßig (nach aktuellem Stand alle sechs Monate) von einer staatlich geprüften Logopädin beurteilt, die Zustimmung der Eltern natürlich vorausgesetzt. Wir setzten unsere Priorität auf eine engmaschige Kontrolle, da wir ein rechtzeitiges erkennen sprachlicher Probleme für sehr wichtig halten. Dieses an eine Fachkraft zu delegieren ist ein logischer Schritt. Die Erzieher unterstützen die Logopädin durch Beobachtungen in den Alltagssituationen, zum Beispiel mit HAVAS-5 oder einem vergleichbaren Modell.

 

 

3.9 Und wenn sie zur Schule kommen …

Viele Eltern könnten sich ein wenig besorgt fragen, ob der Übergang vom „Waldkita-Kind“ zum „Schul-Kind“ nicht besonders kontrastreich ist – und dadurch schwieriger wird im Vergleich zu Kindern aus „Haus-Kindergärten“. Tatsächlich haben aber verschiedene Studien bewiesen (vgl. Prof. Dr. Gorges, zitiert nach Ingrid Miglitz: „Der Waldkindergarten“, S. 119), dass Kinder, die im Vorschulalter eine Fülle an Bewegungs- und Lernerfahrungen in der Natur gemacht haben – weniger Probleme mit „Stillsitzen und konzentrierter Bearbeitung gestellter Aufgaben in der Schule“ haben!

Die schon angesprochene Vermeidung der Reizüberflutung in der Waldumgebung erhält und fördert die den Kindern angeborene Fähigkeit ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und sich ruhig und mit Hingabe einer Aufgabe zu widmen.

Das vielfältige Erfahren der eigenen Körperlichkeit und eigenen motorischen Fähigkeiten – welches in der Waldkita ja viel weniger Einengung erfährt als sonst – ermöglicht dem schulreifen Kind, sich ein wenig weg vom großen Bewegungsdrang und jetzt hin auch zu intellektuellerem Lernen zu entwickeln.

 

3.10. Unsere Vorschul-Arbeit:

Vor dem Hintergrund der genannten körperlichen und seelischen Stabilisierung sind die Kinder auch im kognitiven Bereich leistungsfähig und auch motiviert.

Wir machen unseren Kindern im Vorschul-Alter mit für sie speziellen Geschichten, Spielen und Liedern Angebote aus den verschiedenen Wissensgebieten - und mit diesem Wissen und ihrer entwickelten Geschicklichkeit erleben wir, das unsere Waldkindergarten-Kinder bestens vorbereitet sind, wenn sie zur Schule kommen.

Sie übertragen ihre Fähigkeiten auf andere Gebiete und sind ihren Altersgenossen in der Schule in der Entwicklung von innerer Ruhe, Konzentrationsfähigkeit und Friedlichkeit meistens weit voraus.

Selbstverständlich unterliegen auch wir den Hamburger Bildungsempfelungen und achten genau auf ihre Umsetzung.

 

 

3.11 Gesundheit

Durch den ständigen Aufenthalt im Freien sind die Waldkindergarten-Kinder nicht nur weniger anfällig gegen Nässe, Kälte, Hitze und Wind also gegen die Witterungsverhältnisse im allgemeinen, sondern durch ihr Abgehärtet sein auch weniger anfällig gegen Erkältungskrankheiten. Das Immunsystem der Kinder ist so stark, dass Krankheitserreger meist aus eigener Kraft abgewehrt werden können und die Ansteckungsgefahr und Ausbreitung von Kinderkrankheiten bei uns viel geringer ist als in Kindergärten mit geschlossenen Räumen.

Eine 2010/2011 durchgeführte Studie des Gesundheitsamtes Hamburg, an der wir teilnahmen, belegt dieses deutlich.

 

 

4 ELTERNARBEIT

Beruhend auf unserem Grundverständnis von einer Erziehungs-Partnerschaft zwischen den Eltern und uns ErzieherInnen, einer gemeinsam getragenen Verantwortung für die Bildung und Erziehung der Kinder liegt uns in unserer Wurzelwichte-Waldkita die Elternarbeit besonders am Herzen.

Selbstverständlich ist die Entwicklung eines vertrauensvollen und sich wertschätzenden Verhältnisses zwischen Erziehern und Eltern vom ersten Aufnahmegespräch an – das dann seine Fortsetzung und Vertiefung findet ihm Verlaufe des Waldkita-Lebens.

Die Eltern der Kinder unserer Waldkita sind an allen wesentlichen Entscheidungen der alltäglichen Angelegenheiten beteiligt:

Wir bieten:

-       … regelmäßige Einzel-Eltern-Gespräche über die Entwicklung der Kinder in entspannter Atmosphäre / Hausbesuche - wenn gewünscht;

-       … das Besprechen der Bildungs- und Entwicklungsdokumentationen … die Information der Eltern schon vor Anmeldung und Aufnahme über unser besonderes waldpädagogisches Konzept;

-       …das regelmäßige Abhalten von Elternabenden im gemütlichen Rahmen;

-       … das ausführliche Besprechen aller Belange, Fragen und der möglicherweise auftauchenden Probleme der Eltern bzw. ihrer Kinder;

-       … neuen Eltern die Möglichkeit, den Alltag in unser Waldkita mitzuerleben und  selbstverständlich in der ersten Zeit der Eingewöhnung ihrer Kinder an deren Seite mit uns im Wald zu sein;

Wir lassen:

-       … bei der Eingewöhnung-Zeit und orientieren uns am individuellen Rhythmus des einzelnen Kindes und seinen Bedürfnissen: es ist natürlich für uns, dass jedes Kind verschieden lange Zeit braucht, bis es bereit ist, sich von seinem Elternteil abzulösen und ihn gehen zu lassen; wir begleiten diesen Prozess behutsam – für beide Seiten – denn auch für die Eltern ist es manchmal nicht ganz leicht, ihr Kind erstmals Schritte ohne sie gehen zu lassen.

 

 

5 Achtung vor dem Leben, Liebe zur Natur

 

Wir hoffen, dass unsere „Wurzelwichte“-Kinder durch ihre natürlich gewachsene und spielerisch aufgebaute Beziehung zum Wald und der Natur ein so lebendiges und positives Verhältnis zu ihr entwickelten, sie sich so mit ihr verbunden und in sie eingebunden fühlen, dass sich dies auch nicht verliert, wenn sie älter werden und so die Achtung vor der Schöpfung, die Liebe zu ihr erhalten bleibt und weiterentwickelt und Natur- und Umweltschutz für sie ganz natürlich ist.